5. Hochzeitstag - Sion

Schon der 5. Hochzeitstag steht an. Die Zeit vergeht unglaublich schnell. Zum ersten Mal wird es dieses Jahr so sein, dass wir das zu feiernde Wochenende in den September schieben müssen. Gemäss Herr Ehegatte - der dieses Jahr organisieren muss - geht es nicht anders. Offenbar unternehmen wir etwas, das nur dann möglich ist....

Unser offizielles Datum, den 20. Juli, haben wir total gemütlich genossen. Zuerst verköstigten wir uns beim Thailänder, danach strapazierten wir die Lachmuskeln im Kino über den Gleisen in Winterthur. Passend zum Thema Hochzeit sahen wir Hangover 2. Erstens spielt er in Thailand und zweitens erteilt er wieder eine Lektion, wie fatal gut geplante Junggesellen-Abende enden können. War super lässig. Doch jetzt bin ich gespannt, was mich im September erwartet...

UND ENDLICH IST ES SOWEIT!
Wow, was für erlebnisreiche Tage!!! Aber beginnen wir am Anfang – und der war am Freitag Morgen in aller Herrgottsfrühe! Um 5.30h sollte Abfahrt sein. Wer also vorher noch duschen wollte, musste um 4.30h aufstehen. Was tut man nicht alles für die Schön – äh pardon – für die „Rein“heit J . Bepackt mit der kompletten Kameraausrüstung düste Herr Chauffeur los, während die Fahrgästin keine Ahnung hatte, wohin. Nach einem Nickerchen auf der Autobahn erwachte sie dann auch erst, als schon eindeutig war, dass die Westschweiz das Ziel sein muss. Juhui. Das ist immer so lustig. Simon kann kein Wort französisch, wählte aber bei allen drei in seine Zuständigkeit fallenden Anlässen einen Ort mit dieser Sprache.

Höhe Sion sieht Chantal neben der Autobahn einen Flughafentower und sagt fasziniert „Hä lueg emal, da äne häts en Flughafe, hani garnid gwüsst“. Und zagg – schon biegt der Octavia ab, nimmt die Ausfahrt und folgt eigens angebrachten Parkplatztafeln. Erst jetzt findet das grosse Rätselraten ein Ende und zwei Tickets werden gezückt. WOW! Interationale Airshow mit Breitling als Hauptsponsor.  Uhren haben wir zwar keine erhalten, aber echt hübsche Baseballcaps, die gratis verteilt wurden.

Der Freitag präsentierte sich von seiner Schoggiseite: blauer Himmel, glühende Sonne, überall zufriedene Gesichter und viele Leute, die zum Glück nicht kommen konnten, weil sie vermutlich arbeiten mussten. Denn so genossen wir einen ganzen Tag auf dem Festgelände ohne Gedränge und mit viel Platz für die Wolldecke und die beiden Campingstühle. Die Food- und Getränkestände rissen zwar im Nu ein Loch ins Portemonnaie, aber das nimmt man ja gerne in Kauf, wenn man schon an einem Ort parkiert, der nicht zu den zahlungspflichtigen Plätzen gehört J

Das Flugprogramm versprach Abwechslung, Spannung, Lärm, Adrenalin und Hochgenuss. Und alles wurde eingehalten.  Alte Propellermaschinen, diverse Kampfjets, Helikopter, faszinierende Veteranen, Fallschirmspringer, ja sogar ein elektrischer Segelflieger und ein Wasserflugzeug drehten ihre Runden.

Wir ergatterten uns einen Platz gleich bei der Absperrung, was uns in den guten Momenten immer Blick auf die Piste erlaubte. Hautnah erlebten wir Starts und Landungen.

Wer s Schänteli kennt, weiss, dass die sich weniger für die alten Surrliflieger interessiert. Viel mehr konnte sie es kaum erwarten und tänzelte nervös hin und her, bis die Triebwerke der FA18 oder der guten alten Mirage in Begleitung von zwei Huntern zu donnern begannen. Leute, das müsst ihr erlebt haben. Steht mal knapp 150m neben einem Militärkampfflugzeug, wenn es Schub gibt für den Start. Da stellte es jedem , aber echt jedem die Hühnerhaut am ganzen Körper! So – und dann, dann kommen sie – die beiden „Bewerber“ als Nachfolger des FA18 für die Schweizer Luftwaffe. Und alles, was du bis zu diesem Zeitpunkt erlebt hast (ausse der FA18 selber) ist einfach nur wie ein Mäusefurz. Lauter, schneller, flinker, einfach viiiieeeeel geiler!

Den FA18 sahen wir hier bereits zum zweiten Mal und genossen ihn Freitag und Samstag. Den darf man sich nicht entgehen lassen. Optisch einer der schönsten Kampfjets. Aber leider ist er im Vergleich zu den anderen eher eine lahme Ente. Zuerst ist man beeindruckt vom Tempo und den flinken Manövern. Erst nachher merkt man, dass die anderen das auch können, nur eben halt mit ein paar „winzigen“ Unterschieden:

 Die RAFALE sieht am Boden so unscheinbar und zart aus. Hebt sie erst einmal ab, ist man versucht, sich schleunigst die Ohren zuzuhalten. Aber nicht wir! Wenn man das schon mal erlebt, dann soll es in vollen Zügen genossen werden. Am Himmel ähnelt sie dann einem Tannenbau. Ein grosses und ein kleineres Dreieck übereinander. Sie wirkt bullig, „gefährlich angriffig“, ist extrem wendig und brutal schnell. Der Flughafen von Sion liegt in einem relativ engen Tal, umgeben von hohen Hügeln bzw. Bergen. Die Rafale bewegt sich in dieser Talsenke, als würde sie nichts anderes machen.

Dann gibt es da noch den Kollegen GRIPEN, ein schwedisches Produkt. Verdammt noch mal, der ist ja noch lauter. Bööööse Maschine! Den Lautstärken-Wettbewerb gewinnt er klar. Mit Wendigkeit und Tempo bietet er den gleichen Genuss wie die Rafale. Müsste die Schweiz nach dem Kriterium Lautstärke ihre Flieger kaufen, wäre die Sache ganz klar.

Erst im Samstagprogramm zeigte sich dann noch die dritte und wahrscheinlich teuerste Variante für die Schweiz – der EUROFIGHTER. Uff – der Laptop hat gar keine Taste, die dieses Flugzeug beschreiben könnte. Am Himmel ist er kaum zu unterscheiden von der Rafale. Wäre da nicht der „glühende Arsch“. Schon beim Start schiessen 2m lange Flammen hinten raus. In der Luft geht es so weiter. Da grillst du keine Würstchen mehr, da kannst du froh sein, wenn du nicht gleich selber zu Asche wirst! Der Eurofighter ist das neuste Modell, das sich für die Schweiz bewirbt. Vermutlich ist das auch die Erklärung, warum der Manöver geflogen ist, die einem schlicht den Atem rauben! Da denkst du, ach schon wieder ein Kampfjet, kenn ich doch. Und dann schluckst du einfach. Vom ohrenbetäubenden Dröhnen mal abgesehen, hat er sämtliche Erwartungen übertroffen und war jedes Milligramm Adrenalin wert. Wir waren durchnässt, müde, hatten schmerzende Füsse und nur noch wenig Motivation. Zum Glück siegte die Geduld. Sonst hätten wir diesen fantastischen Vogel verpasst!

Also lieber Herr Maurer: falls Sie bei Ihrer Shoppingtour noch Hilfe brauchen, geben wir Ihnen gerne einen Ratschlag. Wollen Sie den absolut geilsten Vogel, dann kaufen Sie den Eurofighter – aber der leert die Staatskasse nullkommaplötzlich. Wollen Sie einen optisch wunderschönen Jet anschaffen, kaufen Sie die Rafale – aber die ist schon alt und müsste bald wieder ersetzt werden. Wollen Sie den Deutschen aber mal zeigen, was richtiger Fluglärm ist, dann kaufen Sie den Gripen. Unseren Segen haben Sie!!!

Haaaach. Neben all der Schwärmerei für diese Einzeldarbietungen wollen wir nicht vergessen, dass viele verschiedene Staffeln ihr Können gezeigt haben. Aus der Schweiz natürlich die Patrouille Suisse und die hübsche PC7-Staffel (die weltweit einzige Staffel mit 9 Fliegern). Dann flogen noch irgendwelche Propellersurrlis, dann die finnische Staffel „Midnight Hawks“ (zum ersten Mal Showflug ausserhalb Finnlands), am Samstag kam die italienische Staffel mit herzigen Propellermaschinen (echt schön bemalt, mit rot-weiss-grünem Rauch natürlich), und als Highlight die französische Nationalstaffel – mit rot-weiss-blauem Rauch. Bei allem Respekt, aber liebe Patrouille Suisse, du musst noch üben und dir zwei Flieger mehr zulegen, das sieht geiler aus! Heute wurde uns bewiesen, warum die Franzosen zur Weltelite gehören! Fantastisch.

Während wir einen traumhaften Freitag erlebten (MIT Sonnenbrand) mussten wir uns am Samstag leider mit Regen und Kälte begnügen. Trotzdem schritten wir an beiden Tagen selig zum Auto zurück. Todmüde und mit schmerzenden Gliedern verkrochen wir  uns in das mega hübsche Hotelzimmer in Nendaz auf knapp 1500m ü.M. Das Wallis ist sehr schön mit seinen vielen kleinen Tälern. Nendaz ist offensichtlich ein beliebter Wintersportort, alles sieht danach aus.

Nach so vielen Eindrücken innerhalb von zwei Tagen geniessen wir nun noch den bevorstehenden Sonntag, nehmen ihn etwas ruhiger und schauen spontan, was wir noch machen. Vielleicht ergattern wir noch ein paar Blicke auf das morgige Fliegerprogramm in Sion. Wir haben zwar keine Tickets, aber hier vom Berg aus überschaut man das ganze Flughafengelände und würde die Flieger selbst in der Luft noch von oben sehen. Überassen wir es dem Regen, ob er uns noch ein paar Bilder gönnt.

Also dann, nun sind wir „ready for landing in the Heia“!