Happy new year

Der Ogo-Ogo hats nicht überlebt... Wären wir in Thailand, würden wir sagen „trau keinem, der dir etwas andrehen will“. Doch die Balinesen sind tatsächlich ehrlich. Der gleiche Typ, der uns schon zu diesem Hotel führte, tauchte am ersten Morgen wieder auf und verkaufte uns einen Schnorcheltrip. Chantal blieb bis zur letzten Minute skeptisch, Simon freute sich auf den Ausflug. Und siehe da, wir wurden sogar pünktlich abgeholt. Also verbrachten wir einen gemütlichen Tag vor einer kleinen Insel mit tollen Korallenriffs. Endlich kam so auch unser Unterwassergehäuse für die Kamera zum Einsatz. Rechtzeitig zum Neujahrsfest brachte uns der Bus zurück ins Hotel. Ab dann wussten wir nicht, was wir erwarten sollten. Es hiess, der Abend vor dem Neujahrswechsel sei eine einzige Party. Gespannt gesellten wir uns zu den vielen Leuten, die am Strassenrand auf den Umzug warteten. Nach Einbruch der Dunkelheit begann der Umzug, der unserer Fasnacht ähnlich ist. In langen Vorbereitungen haben die Schulkinder und die jungen Erwachsenen des Dorfes so genannte „Ogo-Ogo-Figuren“ aus Pappmaché gebaut. Das sind grosse Dämonenfiguren, einer „gfürchiger“ als der andere. Auf Bambusgestängen werden sie am Umzug durch die Strassen getragen, geschüttelt und umhergewirbelt. Die Leute am Strassenrand johlen dazu, besonders, wenn einer Figur noch der Kopf abfällt. Schliesslich symbolisieren sie die bösen Geister, die an diesem Abend von der Insel vertrieben werden sollen. Mit allem, was Lärm macht, verscheucht man sie. Der Umzug führt zu verschiedenen Tempelanlagen bzw. Friedhöfen, wo die kunstvollen Figuren dann verbrannt werden. Ähnlich wie bei uns der Böögg. Das ganze wird mit Feuerwerk unterstützt. Es war eindrücklich, wie sich das ganze Dorf versammelte und den Figuren bis zur Verbrennung folgte. Aber die Flammen waren noch nicht erloschen, machten sich die Leute wieder aus dem Staub – vorbei war das Spektakel. Entweder feierten sie irgendwo daheim weiter, wo wir es nicht sehen konnten, oder es lief wirklich nichts mehr. Das wissen wir bis jetzt nicht. Obwohl wir uns auf einen langen Partyabend einstellten, kehrten wir schon bald wieder zum Hotel zurück und liessen den Tag auf unserer Luxusterrasse ausklingen. Der erste Neujahrstag – laut balinesischem Kalender sind wir jetzt im Jahre 1932 – ist so genanner „silent day“, stiller Tag. Und die nehmen das ganz wörtlich. Alle Läden sind zu, keine Menschenseele auf der Strasse, Touristen dürfen die Hotelanlage nicht verlassen, sogar der Flughafen bleibt geschlossen, und man sollte möglichst keinen Lärm machen. Idee dahinter: den gestern Abend vertriebenen Dämonen soll man vorgaukeln, die Insel sei unbewohnt. So würden die Dämonen glauben, es lohne sich nicht, zurückzukehren. Herzig, oder? Am besten wird es aber abends. Das Hotel verteilte Rechaudkerzen. Man soll am Abend kein elektrisches Licht anzünden, weil die Dämonen das sehen könnten. Möglichst nur Kerzenschimmer oder noch besser gar kein Licht. Wenn wir uns umblicken, ist der sonst hübsch beleuchtete Küstenstreifen tatsächlich stockfinster. Fast unheimlich… Wir halten uns brav an die Regeln und schaffen Romantik mit den Kerzen. Morgen kehrt dann wieder der Alltag ein hier. Und unsere Reise geht weiter Richtung Osten zum Vulkan und dann an die Ostküste. Wir sind froh, mussten wir diesen stillen Tag nicht im Süden in den Touristenhotels verbringen. Da herrschte heute vermutlich ziemliches Gedränge im Pool und auf den Liegestühlen. Die Tempelpolizisten mit ihren karierten Sarongs und dem Holzknüppel haben nämlich strikte überwacht, dass sich auch alle an die Regel halten und das Hotel nicht verlassen. (wir nennen sie „die karierten Knüppelpolizisten“ J ) Bei uns wäre ein solcher Brauch wohl kaum denkbar. Aber eben, andere Länder, andere Sitten. Na dann – HAPPY NEW YEAR.