Alles neigt sich zum Guten

Vom Norden in den Süden. Am letzten Mittwoch sind wir nach dem „lichtlosen“ Abend frühzeitig in Lovina aufgebrochen und haben unsere Reise Richtung Süden fortgesetzt. Nach wenigen Kilometern sind wir von der Küstenstrasse abgebogen, erkundeten das Landesinnere und folgten engen Kurven durch dichte Wälder und viele kleine Dörfchen. Es ist uns ein Rätsel, woher um Himmels Willen derart viele Motorräder plötzlich auftauchen können, wo es doch weit und breit nur Dschungel gibt. Also ehrlich, dagegen ist der Töffliverkehr in Bangkok NICHTS! Die hügelige Strasse führte direkt zum Vulkan Batur und seinem riesigen Krater, auf dessen Rand die Strasse entlang führt. Dank einem guten Tipp aus unseren kleinen Bali-Büchern fanden wir ein Restaurant mit atemberaubernder Aussicht. Direkt vor uns breitete sich der Krater mit seinem See und der lavaüberzogenen Landschaft aus. Und noch viel phänomenaler gestaltete sich das Mittagsbuffets dieses Restaurants. Wir schlugen uns die Bäuche fast bis zum Umfallen voll – ein bisher sozusagen einzigartiges Erlebnis hier J . Ebenso einzigartig wie die Tatsache, dass wir in einem so heissen Klima tatsächlich Hühnerhaut bekamen. Denn pünktlich zum Essen auf der Terrasse zogen dichte Wolken auf uns es begann in Strömen zu regnen. Wie man sich vorstellen kann, ist das auf knapp 1500m ü.M. eine ziemlich unangenehme Sache. Die Touristen, die busweise vor dem offenbar bekannten Restaurant abgesetzt wurden, flüchteten sich sofort ins Innere. Nur Mööslis blieben bickelhart und hüteten ihre Plätze auf der (überdachten) kalten Veranda. Es genügten dann knappe 5 Sekunden bis ins Auto, um durchnässt die Türen zuzuschlagen und im Kofferraum nach einem wärmeren Kleidungsstück zu wühlen. Dabei wussten wir genau, dass es nicht lange dauern würde, bis wir wieder auf Meereshöhe und somit in der glühenden Hitze ankommen würden. Die Weiterfahrt gestaltete sich als ziemliches Abenteuer, weil die Autos hier keine Scheibenlüftung haben und wir dauernd die angelaufenen Scheiben putzen mussten. Die heitere Stimmung liess und annehmen, dass wir bald ein gemütliches Hotel am Strand im Süden finden und einen tollen Rest des Tages finden werden. Nun – es sollte anders kommen… Die Hitze hielt zwar bald wieder Einzug, das war schön (bald schon eher brutal). Doch diesmal dauerte es ziemlich lange, bis wir endlich eine Unterkunft gefunden hatten. Überall, wo wir gerne geblieben wären, gab es keine freien Zimmer mehr. Man spürte, dass hier im Süden wider mehr Touristen sind. Irgendwann wurden wir endlich fündig und sagten nach der Zimmerbesichtigung zu, dass wir bleiben. Erst, als wir mitsamt dem Gepäck aufs Bett sanken, realisierten wir wohl, worauf wir uns da einliessen. Der „Bungalow“ wurde im Stil eines balinesischen Häuschens gebaut. Um durch die Tür in den Raum zu gelangen, musste man über einen hohen Absatz steigen (also nichts für eine Heimkehr nach durchzechter Nacht). Die Fenster besassen keine Scheiben, sondern nur Holzläden, die den ganzen Tag geschlossen bleiben mussten, damit niemand ins Zimmer einsteigen konnte. Wir hockten in einem ziemlichen „Loch“ in der Dunkelheit. Die Klimaanlage verwandelte diese Kammer in einen Kühlschrank. Unweigerlich wurde man an eine Gaskammer aus Kriegsfilmen erinnert, zumal die Holzschnitzerein an der Tür mit Hitlerkreuzen übersät waren. Die Bettwäsche bestand aus einem fleckigen Kissen und einem stinkenden Leintuch. Wir entschieden uns, ohne Klimaanlage zu schlafen, was uns so gegen 2h nachts schweissgebadet erwachen liess. Am Morgen, dann wieder halb durchgefroren, waren wir einfach nur froh, hier wieder verschwinden zu können. Dementsprechend schwiegen wir uns vorerst eher schlecht gelaunt an bis zur Mittagsstunde. Übermüdet und mit Halsweh machten wir uns auf die Suche nach jener Strasse, die wir eigentlich am Vortag befahren wollten. Diesmal lag es aber nicht (nur) an den Kartenlesekünsten von Frau Beifahrerin… Man muss hier wirklich Glück haben, wenn man alle Abzweiger findet. Die Beschriftung ist miserabel. Weil aber alle Distanzen so kurz sind, spielen Umwege keine Rolle. Nun, wie gesagt, wir suchten die angeblich schönste Strasse von Bali. Und endlich ging über unseren Gemütern die Sonne auf. Plötzlich befanden wir uns inmitten von traumhaften Reisterrassen, so, wie wir uns das seit Beginn hier vorgestellt hatten. Wir konnten nicht mehr aufhören zu staunen. Endlich! Als wir uns dann später wieder dem Süden und der Ortschaft Sanur näherten, war der vorherige Tag dann endgültig vergessen. Endlich spürte man wieder einen Hauch von Tourismus = anständige Hotels, ein paar Lädeli, Restaurants etc. Und als ob es eine Vorbestimmung war: wir fanden ein super Hotel, hübscher Bungalow – zwar wieder im balinesischen Stil, aber wenigstens noch mit normalen Fenstern, anständigem WC, einfach wunderbar. Pool, Strand, Liegestühle, Restaurant… Alles passt wieder. Muss ja auch, schliesslich heisst die Anlage „Villa Shanti“. J

Dies hier ist unsere letzte Station, bevor wir morgen Samstag definitiv wieder in das Hotel einchecken, in welchem wir die Mietwagenreise begonnen haben. Aber dort ist wenigsten schon ein Bungi vorreserviert. Und erst jetzt können wir sagen, dass wir wirklich Ferien haben. Einfach nur die Seele baumeln lassen, braun werden, geniessen. Bis jetzt ziehen wir eine eher durchzogene Bilanz von Bali. Die Insel ist zwar sehr schön und die Leute wahnsinnig freundlich und herzlich. Aber wenn wir von Anfang an gewusst hätten, wie hier alles ist, wären wir vermutlich nur so 3-4 Tage mit dem Auto um die Insel gekurvt. Theoretisch könnte man sogar im Süden hausen und von dort her überall hin, die Distanzen sind so gering. Würde man sich ausschliesslich von der balinesischen Küche ernähren, hätte man so ungefähr alle vier Tage das gleiche auf dem Teller. Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass man an den meisten Orten Pizza, Pasta und weiteren europäischen Food bekommt. Das ist etwas schade, wir vermissen die asiatische Küche. Gespannt sind wir jetzt noch auf das ganze Nachtleben ab morgen. Es soll dort voll abgehen, was wir schwer hoffen. Denn bisher blieb des Weibchens Shoppinghunger weitgehend ungestillt. Die Läden schliessen um 22h, zu kaufen gibt’s nur Batiksachen oder Hippie-Schmuck, was uns beide zu wenig interessiert.

Bis jetzt wissen wir, dass es hier zwar hübsch war, nächstes Jahr die gewählte Airline aber wieder einen violetten Flügel haben wird….“wännt weisch, wani mein…“

Mit einem letzen Bericht werden wir uns nochmals melden so gegen Mitte der nächsten Woche. Bis dahin senden wir nochmals ein paar Eindrücke der Götterinsel.